CV-Geschichte

Das korporative Leben an den deutschen Hochschulen wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. von den waffenstudentischen Verbänden, vor allem von den Corps, Landsmannschaften und Burschenschaften bestimmt. Es herrschte gegenüber dem Christentum und erst recht gegenüber dem Katholizismus eine äußerst indifferente liberalistische Welt- und Lebensauffassung in der das Religiöse und Weltanschauliche kaum Pflege finden konnte. Religiosität wurde gar im Zuge des Liberalismus mehr und mehr gleichgesetzt mit Unaufgeklärtheit und Hinterweltlertum. Das allgemein praktizierte Austragen von Mensur und Duell stand zudem im Widerspruch zu den Gesetzen der katholischen Kirche. Da die Burschenschaft nach ihrer anfänglich scharfen Frontstellung gegen die Corps sich diesen wieder angenähert hatte, und der in der Urburschenschaft noch lebendige, starke religiöse Geist weitgehend verflacht war, gab es somit keine ganz oder auch nur teilweise christlich ausgerichteten Verbindungen mehr. Die wiederholten Übergriffe des neuen preußischen Staatskirchentums gegen Mitglieder und Einrichtungen der katholischen Kirche, wie die Gefangennahme des Kölner Erzbischofs im Jahre 1837 infolge der Auseinandersetzungen in der Frage des Eheparagraphen, der die preußisch-evangelische Staatsreligion begünstigte, und die öffentlichen Schmähungen und Verhöhnungen der Katholiken anläßlich der Ausstellung des Hl. Rockes in Trier 1844 förderten deren Abwehrgeist und ließen eine allgemeine Katholische Volksbewegung entstehen, die auch auf die studentischen Kreise übergriff. Diese erstrebten gegen die Bedrohung ihrer Glaubensfreiheit und zur Pflege gemeinsamer Ideale und Ziele einen engeren Zusammenschluß auf konfessioneller Basis. Sie lehnten sich in ihren äußeren Formen stark an die bestehenden Korporationen an, waren aber im Gegensatz zu diesen bestrebt, dem studentischen Gemeinschaftsleben neuen Inhalt zu geben, aufbauend auf den von Anfang an bis heute gleichgebliebenen Prinzipien: RELIGIO, SCIENTIA, AMICITIA, PATRIA

1844sieben Studierende gründen in Bonn Bavaria, die erste katholische deutsche Studentenverbindung, um "durch Belebung der katholischen Interessen dem fortschreitenden Indifferentismus Einhalt zu gebieten".

1851Aus dem von Franz Lorenz Gerbl in München gegründeten "Katholischen Leseverein für Studierende" entsteht die Verbindung Aenania. Duellverbot, Katholizitätsprinzip und das Tragen von Farben werden nacheinander in die Statuten aufgenommen.

1856In Breslau entsteht durch Bemühungen eines Aenanenphilisters aus einem 1856 gegründeten Leseverein die katholische Studentenverbindung Winfridia. Winfridia regt im gleichen Jahr an, daß die beiden Schwesterverbindungen freundschaftliche Beziehungen aufnehmen. Aenania akzeptiert das Angebot am 6. 12. 1856. Von daher gilt dieses Datum als der Geburtstag des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen.

1863erste Cartellversammlung in Frankfurt

1864Abspaltung der nichtfarbentragenden Vereine.

1876Die Begrenzung von CV-Verbindungen auf die Universität wird aufgehoben, d.h. Ausweitung auf die technischen und tierärztlichen Hochschulen sowie Bergakademien.

1888Die "Academia" wird von Bbr AH Wurm ins Leben gerufen.

1891Infolge des Beschlusses des CV, an jedem Hochschulort nur eine Verbindung bestehen zu lassen (Singularitätsprinzip), schließen sich Sauerlandia/Münster und Novesia/Bonn zu einer Cartellvereinigung zusammen, dem späteren "katholischen deutschen Verband farbentragender Studentenkorporationen" (KDV), auch kleiner CV genannt. Beitritt weiterer Korporationen.

1899Das Singularitätsprinzip wird abgeschafft.

1900Beginn des sogenannten "akademischen Kulturkampfes" um die Existenzberechtigung der katholischen Korporationen in Deutschland und Österreich.

1907Mit der Selbstauflösung des Verbandes deutscher Hochschulen findet der akademische Kulturkampf ein Ende, das nicht zuletzt auf das Ansteigen der Anzahl, der Mitgliederzahl und der inneren Festigkeit der bekämpften Korporationen zurückzuführen ist.

1911Aufgehen der 8 KDV-Verbindungen in den CV.

1912Etablieren des "weißen Rings" aus Protest gegen die Einführung des DUZ-Comments im CV.

1920In dem "Erlanger Verbändeabkommen" (EVA) wird die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der schlagenden und nichtschlagenden Korporierten anerkannt und gegenseitiger Respekt vereinbart.

1932Der CV bezieht auf seiner 61. Cartellversammlung in München eindeutig gegen den Nationalsozialismus Stellung und bezeichnet die Zugehörigkeit zur NSDAP mit der Zugehörigkeit zum CV als unvereinbar, womit ihm die Gegnerschaft des Nationalsozialismus von vornherein gewiß ist.

1933Der CV wird nach dem Führerprinzip umstrukturiert.

1934Umbildung der Verbindungshäuser in Kameradschaftshäuser - Abschaffung des Katholizitätsprinzip ("Aufhebung der konfessionellen Begrenzung) - 62. C.V. in Münster: Neuer Verbandsführer, Verpflichtung der Verbindungs - führer auf Staat und Führer.

1935Gründung der "Gemeinschaft Studentischer Verbände" (GStV) zur Aufrechterhaltung der Korporationen, Selbstauflösung nach Ausschluß der DB und des DSCV. Selbstauflösung des aktiven CV auf der 63. C.V. in Würzburg, um die Gegnerschaft zum NS-Studentenbund, dem neuen alleinigen Träger der studentischen Erziehung, zu vermeiden, und um die studierenden Mitglieder nicht in die Zwangslage zu bringen, ihr Studium nicht fortführen zu können. Der Altherrenbund bleibt bestehen, die Verbindungsführer sind sich selbst überlassen. Anordnung des Reichsstudentenbundsführers, wonach gleichzeitige Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation für Mitglieder bzw. Anwärter des NSDStB untersagt ist.

1936

"Heß-Erlaß", wonach allen studierenden Mitgliedern der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen die Mitgliedschaft in einer studentischen Korporation verboten wird.

1938Alle katholischen Studenten- und Altakademikerverbände werden "zum Schutz von Volk und Staat" als staatsfeindlich aufgelöst. Damit ist u.a. der CV-Altherrenbund zerschlagen.

1945Beginn des Wiederaufbaus des CV in Zonenverbänden, Neubegründung der aus den Ostgebieten vertriebenen Verbindungen in westdeutschen Hochschulstädten.

1950Endgültige Wiederbegründung des CV durch den Zusammenschluß der Zonenverbände zu einem Verband auf der 64. C.V. in Mainz

1958Fertigstellung der neuen "Verfassung des CV".

1974Erweiterung der "Verfassung des CV" um die Verbändeabkommen mit dem ÖCV, SchStV, TCV und der Edo-Rhenania/Tokio

1975Beitritt des CV zu dem im gleichen Jahr gegründeten "Europäischen Kartell-Verband christl. Studentenverbände" (EKV)

Der CV ist der älteste katholische und der größte deutsche Studentenverband überhaupt. Er ist heute an 56 Hochschulstädten vertreten und hat sich aus kleinsten Anfängen zu seiner jetzigen Größe entwickelt:

1880:11 Verbindungen mit 1223 Mitgliedern
1900:30 Verbindungen mit 4039 Mitgliedern
1920:95 Verbindungen mit 14991 Mitgliedern
1931:123 Verbindungen mit 26746 Mitgliedern
1950:95 Verbindungen mit 17308 Mitgliedern
1955:105 Verbindungen mit 24744 Mitgliedern
1960:108 Verbindungen mit 29531 Mitgliedern
1965:111 Verbindungen mit 33224 Mitgliedern
1970:114 Verbindungen mit 34843 Mitgliedern
1975:117 Verbindungen mit 33488 Mitgliedern
1980:116 Verbindungen mit 32108 Mitgliedern
1985:116 Verbindungen mit 31872 Mitgliedern
1990:120 Verbindungen mit 32081 Mitgliedern
1995:122 Verbindungen mit 31499 Mitgliedern
1998:119 Verbindungen mit 32104 Mitgliedern; davon ca. 4700 Aktive
Zurück