Münsterlied (Text von Walter Stempell (1902))
1. Liebe Stadt im Lindenkranze, roter Erde schönster Zier,
pflanz auf deiner höchsten Schanze auf das stolze Stadtpanier:
blüht, ihr Linden, glänzt, ihr Türme, hoffnungsheischend himmelwärts;
jung blieb, Münster, trotz der Stürme, noch dein Wiedertäuferherz.
2. Alter Giebel Zickzackreihe, frischer Jugendübermut,
dazu Sonntagssonneweihe, ach, wie reimt sich das so gut!
Blonde Zöpfe, bunte Mützen, kecke Worte, leiser Schrei,
und die alten Giebel blitzen, waren schon so oft dabei.
3. Wenn Lamberti weiße Streben glitzern in des Mondes Strahl,
geistert ein gespenstig Leben durch den alten Friedenssaal.
In den Streit der Kontrahenten schlägt ein donnernd "eins" die Uhr;
draußen singen die Studenten (Saxonen): „Gaudeamus igitur“.
4. Frische Burschen, würd´ge Pater und manch liebes Mägdelein
wandern hin zur Alma Mater, deiner Krone Edelstein.
Bunter Sinn und graue Haare, aller Musen musica,
ewig junge, ewig klare Aura academia!
5. Darum Heil dir, altes Münster, blüh und wachse immerdar;
wer dich einstmal nannte "finster", selbst ein "vir obscurus" war.
Deiner Glocken helles Klingen, deiner Frauen holdes Bild,
deiner Burschen frohes Singen mehr als tausend Jahre gilt!
6. Wer noch nie ins Aug´ geschauet Münsterischen Mägdelein,
wer noch nie ein Schild geklauet, kann kein Münsteraner sein.
Wer den Stuhlmacherschen Tropfen und das Saxenhaus nicht kennt
und des Pinkus Müllers Hopfen, war in Münster nie Student.
