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Entstehungsgeschichte studentischer Verbindungen



Vorgeschichte

Mit den ersten Universitäten entstanden auch Zusammenschlüsse von Studenten. Diese entwickelten bestimmte Formen, die als frühe Vorläufer heutiger Verbindungstraditionen anzusehen sind. Erst vor diesem Hintergrund kann man die heutigen Studentenverbindungen verstehen.


a) Nationes (12. und 13. Jh.)
Im Mittelalter gliederte man die Gesamtheit (universitas) der Professoren und Studenten einer Hochschule nach Gebieten ihrer Herkunft: z.B. an den frühen Universitäten in Bologna und Paris.
Diese Zusammenschlüsse wurden nationes genannt, hatten aber weder mit den späteren Nationalstaaten noch einer nationalen Haltung zu tun. Sie dienten wie Gilden dem Schutz ihrer Mitglieder und waren wiederum in Korporationen (oder Collegien) unterteilt. So genossen die „deutschen“ Studenten in Orleans den Schutz des deutschen Königs und durften mit dem Degen bewaffnet sein. (Daran wird noch heute – auch bei nichtschlagenden Korporationen – durch das Tragen des Schlägers erinnert.)


b) Bursen (13. und 14 Jh.)
Die frühen Universitäten hatten Wohnungen für Magister (Lehrer) und Scholaren (Schüler), die derselben „Nation“ angehörten. In diesen hospicia oder Collegien wurden auch die Vorlesungen gehalten. Daraus entwickelten sich Wohn-, Ess- und Lehrgemeinschaften unter der Leitung eines Magisters. Diese Gemeinschaften hatten eine gemeinsame Kasse (lateinisch bursa), aus der der gemeinsame Lebensunterhalt bestritten wurde. Daher wurden sie auch Bursen genannt. Zu Anfangs waren die Bursen nur für arme Studenten gedacht, denen ein Stipendium (Bursen genannt) gewährt wurde, später durften die Collegien auch Studenten aufnehmen, die ihre Burse selbst bezahlten. Neue Bursenmitglieder mussten sich einer rituellen Deposition unterziehen: Während dieser Aufnahmefrist durfte man sie misshandeln, sie mussten ein Eintrittsgeld an die Burse zahlen oder die älteren Semester eine Weile aushalten. Die Kleidung der in der Burse wohnenden Studenten (collegiati, bursati oder bursarii genannt, hieraus entwickelte sich der heutige Begriff des Burschen) war genau nach Farbe, Stoff und Schnitt vorgeschrieben, hieraus entwickelte sich das heutige Couleur.


c) Die alten Landsmannschaften (15., 16. und 17. Jh)
Im 15. und 16. Jahrhundert gerieten die Universitäten immer mehr unter den Einfluss, die Finanzierung und Kontrolle der Landesfürsten. Nun bildeten sich vermehrt private Studentenzirkel, die nur der gemeinsamen Geselligkeit und der Unterstützung in Notzeiten dienten. Sie waren ebenfalls landsmannschaftlich organisiert, aber kein Teil der Universität mehr. Die Studenten knüpften an bestehende Traditionen an und nannten ihre Zusammenschlüsse auch „Nationen“ oder „Landsmannschaften“ und ihre Mitglieder „Burschen“ (abgeleitet von „Burse“). Einige Quellen schildern, dass zu dieser Zeit zum ersten Mal der Begriff „Fux“ als Bezeichnung für ehemalige Gymnasiasten auftaucht, die neu an die Universität kamen.
Im 17. Jahrhundert wurde der „Pennalismus“ als Aufnahmeritual verbreitet: Die Studienanfänger („Pennäler“) wurden oft ein Jahr lang ausgebeutet und mussten die älteren Semester bedienen. Nach heftigen Auswüchsen wurde 1654 vor den Reichstag in Regensburg ein Abkommen der evangelischen Reichsstände zur Ahndung solcher Verstöße getroffen. Auf dieser Grundlage bekämpften die Universitäten diesen Brauch und die Landsmannschaften mehr oder weniger energisch. Dennoch konnten sie sich bis ins 18. Jahrhundert hinein halten.
Die Zugehörigkeit zu einer Landsmannschaft endete mit dem Studienabschluss. Einen Lebensbund gab es noch nicht.


d) Studentenorden (18. Jh.)
Innerhalb der an Bedeutung verlierenden Landsmannschaften des 18. Jahrhunderts entwickelten sich engere Formen von studentischen Zusammenschlüssen. Die wichtigsten waren zunächst die Studentenorden, die sich nach dem Vorbild der Freimaurerlogen, aber auch der literarisch-philosophischen Orden des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelten. Von ihnen stammen das strenge interne Reglement (Constitution), das förmliche Aufnahme-Versprechen und viele, teils geheime Identitätssymbole wie Zirkel, Bundeszeichen usw., die bis heute in Gebrauch sind. Die Studentenorden, waren der erste Verbindungstypus, bei dem die Mitgliedschaft nicht mit dem Examen endete; das Lebensbund-Prinzip entstand.
Obwohl sie unpolitisch waren, wurden die Orden von der jeweiligen Obrigkeit misstrauisch beobachtet.
1793 verbot ein Abschied des Immerwährenden Reichstags in Regensburg alle Studentenorden im ganzen Heiligen Römischen Reich. Damit war diese Organisationsform praktisch am Ende.



Geschichte der heutigen Verbindungen
Studentenverbindungen im heutigen Sinne entwickelten sich an deutschsprachigen Universitäten seit etwa 1800. Sie übernahmen einzelne Elemente der älteren Formen studentischer Zusammenschlüsse und entwickelten sie weiter.


a) Entstehung der frühen Corps
Nach dem Verbot der Studentenorden bildeten sich neue Formen selbst verwalteter studentischer Zusammenschlüsse, die später so genannten Corps. Sie trugen in der Anfangszeit noch ganz unterschiedliche Namen wie "Landsmannschaft", "Gesellschaft", "Kränzchen", "Club" usw. Sie verbanden äußere Elemente der Orden - straffes Reglement, verbindliche Zusammengehörigkeit, geheime Identitätsymbole - mit denen der alten Landsmannschaften - lateinische Landesnamen, farblich einheitliche Kleidung (Vorläufer der Couleurs) und schufen so die ersten Verbindungen heutigen Typs.
Bereits in den ersten, frühen Definitionen des Corpsstudententums wird ausdrücklich betont, dass politische Betätigung keine Aufgabe der Corps sei. Schon in den Anfangsjahren war es den Mitgliedern freigestellt, welche politische Überzeugung sie persönlich hegen. Diese Grundauffassung wirkt sich bis heute dahingehend aus, dass Corpsstudenten vielen verschiedenen politischen Richtungen und Parteien angehören, aber nach Ansicht der Corps einen besonderen, überdurchschnittlichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung genommen haben.
Neu an ihnen war auch, dass sie sich an jeder einzelnen Universität zu Senioren-Conventen (SC) zusammenschlossen und ein studentisches Gesetzeswerk erstellten, das für alle Studenten der Universität verbindlich war: den SC-Comment. Der Grund waren die damals üblichen rauen Sitten und Gebräuche.

b) Die Urburschenschaft
Innerhalb der frühen Corps regten sich bald Bestrebungen, die landsmannschaftliche Gliederung der Studenten an den Universitäten abzuschaffen und alle Studenten („Burschen“) in einer einheitlichen "Burschenschaft" zusammenzuführen. Auch in der Politik sollte die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abgeschafft werden.
Schon kurz nach den Befreiungskriegen gründete sich am 1. November 1814 in Halle (Saale) eine Teutonia, die noch stark in den landsmannschaftlichen Traditionen der frühen Corps verwurzelt war. Sie verwendete zwar noch nicht die Bezeichnung "Burschenschaft", verfolgte aber schon ähnliche Ziele und stellte sich bereits gegen den Senioren-Convent (SC) der Corps. Aus ihr entwickelte sich in den kommenden Jahren die "teutonische Bewegung", die zur Gründung ähnlicher Zusammenschlüsse an anderen deutschen Universitäten führte.
In Jena hatten im August 1814 die zurückgekehrten Freiwilligen der Befreiungskriege eine „Wehrschaft“ gebildet, die sich im Gebrauch der Waffen übte. Ihre Angehörigen waren Mitglieder der verschiedensten ortsansässigen Corps, die sich damals teilweise noch "Landsmannschaft" nannten. Sie verband das in der Zeit der napoleonischen Besatzung aufgekommene Streben nach politischer Einheit Deutschlands und der Glaube an dessen Wehrhaftigkeit, wie es bei vielen von ihnen bereits durch die Teilnahme am Lützow’schen Freicorps zum Ausdruck gekommen war.
Die treibende Kraft für die Gründung einer allgemeinen Verbindung, einer "Burschenschaft", war die "Landsmannschaft" Vandalia. Nach teils heftigen Auseinandersetzungen mit den anderen "Landsmannschaften" beschloss der Senioren-Convent am 29. Mai 1815 seine Auflösung und am 12. Juni gingen schließlich alle in Jena bestehenden "Landsmannschaften" in der ersten Burschenschaft - der Urburschenschaft – auf, die in der Gaststätte „Grüne Tanne“ vor den Toren Jenas gegründet wurde. Der burschenschaftliche Gedanke griff dann von Jena ausgehend schnell um sich. Bald schon kamen die Farben schwarz-rot-gold als Symbol für die Bewegung auf. Sie leiten sich von den Uniformfarben des Lützowschen Freicorps ab. (schwarze Uniformen, rote Vorstöße und goldene Knöpfe)
Die Bewegung stellte sich gegen die frühen Corps und ihre SCs, die bis dahin die Gesamtvertretung für die Studenten einer Universität beanspruchten.
Bei einem Treffen von etwa 500 Studenten auf der Wartburg am 18. Oktober 1817 (dem Jahrestag der Reformation und Völkerschlacht bei Leipzig) gründete sich die Allgemeine Deutsche Burschenschaft, die ein deutschlandweiter, burschenschaftlicher Zusammenschluss aller Studenten sein sollte. Während der Zusammenkunft kam es auch zu einer ursprünglich nicht geplanten Verbrennung von symbolbeladenen Gegenständen und von Büchern durch eine Gruppe radikaler Studenten.
Bei den Wartburgfesten 1818 und 1819 waren jeweils etwa 3.000 Burschen anwesend, was in etwa ein Drittel der gesamten Studentenschaft des Deutschen Bundes war.
Der deutschlandweite Zusammenschluss aller Burschenschafter gelang aber nicht, auch die Urburschenschaft in Jena zersplitterte in verschiedene Strömungen.
Die Burschenschaften waren von Anfang an politische Organisationen mit politischen Forderungen: vor allem nach demokratischen Reformen und Deutschlands Einigung. Die Corps dagegen verstanden sich als Zusammenschlüsse zur gemeinsamen Regelung des studentischen Lebens.
Die Obrigkeit nahm auf diese Gegensätze keine Rücksicht: Nach den Hep-Hep-Unruhen 1819 - Hassausbrüchen, die sich gegen jüdische Bürger in vielen deutschen Großstädten wandten - und einem politischen Mord eines Burschenschafters verbot der Deutsche Bund alle selbst verwalteten studentischen Zusammenschlüsse. Diese Karlsbader Beschlüsse galten bis 1848. Sie wurden verschieden streng gehandhabt, führten aber zu Gefängnisstrafen, Berufsverboten und Ausweisung für einige Burschenschafter.
Die regelmäßigen Verfolgungen seitens der Behörden machten immer wieder Schließungen und Wiedergründungen erforderlich. Doch das hinderte weder die Corps noch die Burschenschaften an ihrer Ausbreitung und Weiterentwicklung. Eine Zusammenführung gelang nicht, da die Corps weiterexistierten und sich teilweise mehrere Burschenschaften pro Universität bildeten.

c) Entstehung von christlichen Korporationen
Schon vor den Revolutionen von 1848 bildeten sich die ersten betont christlichen Studentenverbindungen. Denn viele Studenten vermissten das christlich-religiöse Element und wollten es zum Bestandteil ihres traditionellen Gemeinschaftslebens machen. Sie waren auch die ersten, die das studentische Fechten zur Austragung von Ehrenhändeln für sich ablehnten. 1836 verzichtete die neu gegründete Uttenruthia (Erlangen) von Beginn an auf Duell und Mensur. Daraus entstanden zahlreiche Christliche Studentenverbindungen in wiederum ganz verschiedenen Formen auf sowohl evangelischer wie katholischer Seite. Die älteste katholische Studentenverbindung existiert seit 1844 (Bavaria Bonn).
Besonders zur Zeit des Kulturkampfes Preußens gegen die Katholische Kirche stieg die Zahl katholischer Studentenverbindungen. Die katholischen Verbindungen grenzten sich bewusst von den anderen Studentenverbindungen ab. Sie wurden von den schlagenden Verbindungen als nicht satisfaktionsfähig angesehen und darum abgelehnt. Erst im Zuge der Emanzipation gegenüber den schlagenden Verbindungen übernahmen viele christlichen Verbindungen die äußere Form der älteren Korporationsarten.

d) Die neuen Landsmannschaften
Zugleich (1840er) bildete sich im Umfeld der politischen Emanzipation des Bürgertums die sogenannte "Progressbewegung" an den Hochschulen, die anknüpfend an Ideen der Urburschenschaft die studentischen Traditionen an die bürgerliche Kultur der Zeit anpassen wollte. Doch auch die daraus entstandenen neuen "Progressverbindungen" - unter ihnen eine neue Art von Landsmannschaften , Akademische Gesangvereine und Akademische Turnvereine konnten die bereits etablierte studentische Kultur nicht ablösen.

e) Aufschwung der Korporationen
1848 erzwang die erste demokratische Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche die Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse. Die nun mögliche Liberalisierung der deutschen Gesellschaft markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Studentenverbindungen. Aus verbotenen "Untergrundorganisationen" unbotsamer Jugendlicher wurden Zusammenschlüsse der akademischen Elite der Nation. Die Burschenschafterfarben Schwarz-Rot-Gold wurden sogar zu den Farben des Deutschen Bundes erklärt. Von nun an entfaltete sich die ganze Vielfalt der deutschen Studentenverbindungen.
Auch die "ehemaligen Mitglieder" - heute Alte Herren genannt - bekannten sich nun zu ihrem früheren Studentenbund. Da viele von ihnen mittlerweile Spitzenpositionen der Gesellschaft eingenommen hatten, konnten sie ihren Einfluss etwa in der Nationalversammlung geltend machen.
Selbst für die Söhne regierender Adelshäuser (Preußen, Württemberg, Baden, Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Coburg und Gotha, Schaumburg-Lippe etc.) wurde es mit der Zeit opportun, in einer Studentenverbindung zu sein. Dafür kamen allerdings nur nach bestimmten Kriterien ausgewählte Corps in Frage.

f) Die Kaiserzeit
Die Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 erfüllte nicht alle, aber einige Forderungen des Bürgertums, besonders der Burschenschafts-bewegung: die Einheit Deutschlands und eine gemeinsame Reichs-verfassung. Allgemeine Menschen- und Bürgerrechte, das freie Wahlrecht, Versammlungs- und Redefreiheit blieben stark eingeschränkt. Das Kaiserreich wurde vom Großbürgertum und Adel beherrscht und geprägt. Verbindungsstudenten gehörten nun zur etablierten Führungsschicht. Ihre Mitglieder besetzten höchste Positionen im Staat: So waren Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. zu ihrer Studienzeit Corpsstudenten.
Die Studentenzahl nahm um diese Zeit stark zu: Manche Quellen sprechen von über 1.300 Studentenverbindungen und 49 verschiedenen Dachverbänden. Das deutsche Kaiserreich gilt bis heute als Blütezeit der Studentenverbindungen: weniger wegen der absoluten Mitgliederzahlen, eher wegen des hohen gesellschaftlichen Ansehens in weiten Teilen der Bevölkerung.
Der Erste Weltkrieg beendete diese "alte Burschenherrlichkeit". Alle gesunden jungen Männer mussten in den Krieg. Das brachte auch vielen Studenten und Akademikern die Einberufung, das Ende der Karriere oder den Tod. Das Universitätsleben kam praktisch zum Erliegen. Nur zum Teil und mit großer Mühe konnten Alte Herren oder verwundete Kriegsheimkehrer den Betrieb aufrechterhalten. Die Hochschulen schlossen zwar nicht, aber viele Verbindungen mussten suspendieren. Manche erholten sich nicht mehr davon. Dennoch bejahten alle Verbindungen den Krieg als Dienst "für's Vaterland" und trugen ihn mit.

g) Weimarer Republik
Die Studentenverbindungen - auch die eigentlich unpolitischen - bekannten sich weiterhin zu konservativen und nationalen Ideen und hatten einen Zulauf wie nie zuvor.
1921 beschlossen schlagende und nichtschlagende Studentenverbindungen das Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen. Dieses bot erstmals eine Basis zur Beilegung von Streit zwischen diesen Gruppen.

h) Drittes Reich
Die neuen Machthaber gaben vor, sog. „Arbeiter der Stirn“ (Akademiker) und „Arbeiter der Faust“ (Arbeiter) gleichrangig zu behandeln. Ab 1934 wurde unübersehbar, dass sie Studentenorganisationen nicht von der Gleichschaltungspolitik ausnehmen würden.
Die Nürnberger Rassengesetze sollten in allen Verbindungen rigoros durchgesetzt werden. Jede Verbindung musste in Folge nicht nur alle Juden, sondern auch alle „jüdisch versippten“ Nichtjuden ausschließen und darüber Vollzug melden. Zuwiderhandlungen führten zur Einstufung als „nicht-arische Organisation“, der kein Student angehören durfte.
Betroffene Verbindungen versuchten es zum Teil mit Anträgen auf Ausnahmeregelungen und Verzögerungstaktik. Viele der betroffenen Alten Herren traten freiwillig aus, um der eigenen Verbindung nicht zu schaden. Aber die Convente akzeptierten das oft nicht, so dass ihnen nur noch die freiwillige Einstellung des Aktivenbetriebes (Suspension) übrig blieb.
Zwischen 1934 und 1936 hatten sich die meisten Studentenverbindungen entweder selbst aufgelöst (tlw. nach dem „Heß-Erlass“ , der NSDAP-Mitgliedern eine Mitgliedschaft in einer Verbindung verbot) oder waren zwangsaufgelöst worden. Die Altherrenverbände und einige wenige (vor allem katholische) aktive Studentenverbindungen existierten noch bis etwa 1938 (Himmler-Verbot vom 20. Juni 1938).

i) Nachkriegszeit
Nach 1945 verboten die alliierten Militärregierungen einen Großteil der deutschen Vereinigungen, so auch die Studentenverbindungen. Für Studentenverbindungen wurde dieses generelle Verbot 1950 aufgehoben. Ab etwa 1947 versuchten sich einige Studentenverbindungen in Westdeutschland wiederzugründen. Bis 1950 war die Wiederbelebung des Korporationswesens sehr weit fortgeschritten.
Die Verbindungen an Hochschulen der DDR, aus dem ehemaligen Königsberg, Danzig, Breslau, Prag und Brünn hatten mittlerweile auch ihren Standort nach Westdeutschland oder Österreich verlegt . Dabei hatten viele mit befreundeten Verbindungen fusioniert, um ihre Ressourcen für den Wiederaufbau zu konzentrieren.
Die baltischen Verbindungen, die in Riga und Dorpat, aber auch in Moskau oder Sankt Petersburg eine eigene Kultur entwickelt hatten, gründeten nach dem Krieg zwei neue Corps in Göttingen und Hamburg sowie eine nichtschlagende Verbindung in München.

j) Deutsche Demokratische Republik (DDR)
Die DDR verbot alle Studentenverbindungen als Relikt aus bürgerlichen und feudalistischen Zeiten als Kindern der werktätigen Bevölkerung der Zugang zu den Universitäten versperrt war.
Aber schon in den frühen 60er Jahren begannen sich Studenten in der DDR wieder für studentische Traditionen zu interessieren. Dies geschah jedoch im Geheimen.
Die unsystematischen Bemühungen bündelten sich in den 80ern und führten zur Gründung erster DDR-Studentenverbindungen. Die Entwicklung endete am 10. Februar 1990 mit der Gründung der Rudelsburger Allianz (RA). Diese ist ein Freundschaftsbund. Mitglieder der RA können solche Verbindungen werden, die vor dem 9. November 1989 eine Tradition in der DDR besitzen. Den Mitgliedern der RA steht es frei, sich anderen Dachverbänden anzuschließen.

Geschichte des Cartellverbands (CV) - Geschichte Saxoniae